19.11.2016






VOODOO JÜRGENS (AT)


Foto © Wolfgang Bohusch


Per Mund- (und dann auch Medien-) Propaganda als "Next Best Thing"-Hype von und in Wien vor etwas mehr als einem Jahr gestartet, hat sich Voodoo Jürgens gleich mit seinem nun vorliegenden Debüt-Album von der einengenden, wenn nicht gar tödlichen Umarmung der "Checker" emanzipiert und ein substanzielles, ein wahrhaftiges und vor allen Dingen ein berührendes Erstlingswerk abgeliefert. Eines das auch in zehn Jahren noch großartig klingen wird, genauso wie es auch vor zehn, zwanzig, dreißig Jahren schon großartig geklungen hätte. Zeitlos nennt man das dann. Die supercatchy Vorab-Single "Heite grob ma Tote aus" war gewiss ein verdienter Indie-Hit (sowohl Nummer Eins der fm4- als auch der Austrian Indie Charts), das Album hat aber mehr; mehr Anderes, mehr "sein" als "schein", mehr poetischen Tiefgang; es zieht einem von der ersten Geschichte aus dem Fesch an in seinen Bann, baut sich einem lyrischen Malstrom gleich auf, bricht ab, fängt erneut an und lässt einen am Ende überwältigt zurück. Lieder wie "Tulln" werden sich tief in die österreichischen Pop-Annalen hineingraben, ohne martkschreierisch darum gebettelt zu haben; in besagtem Song werden ernüchternde Lebensstationen wie in einem Erlebnisaufsatz aufgezählt; am Ende muss man ob der ergreifenden Schönheit der sprachlichen Bilder und dem versöhnlichen Timbre des Voodoo heulen und es ist klar: das hier ist kein Sozial-Porno, keine "Milieustudie" oder gar Parodie. Das ist Lebenserfahrung gepaart mit Witz (nennen wir es von mir aus auch "Schmäh") und Herz. Durchaus Storytelling, und somit einer alten Folk-Tradition verbunden, aber nie Geschwafel oder weinerliches Gejammer. Das ist näher dran am jungen - mit Sprache sezierenden- Dylan als am leeren, sterilen Pathos-Pop, den vor allem deutsche Singer-Songwriter "an Tagen wie diesen" gern bemühen. Voodoo Jürgens springt auch nicht auf einen Austropop-Hype-Zug oder dergleichen auf; er singt in der Sprache in der er spricht, denkt, träumt und Dinge erlebt. Die Vorbilder für seinen Zugang zu Musik sind der erwähnte Dylan, Leonard Cohen, Tom Waits und durchaus auch krachigere, spätere Sachen wir The Libertines (mit deren Pete Doherty ihn eine auf wechselseitigen künstlerischem Respekt beruhende Freundschaft verbindet). Es sind aber auch die Beat-Poeten der Fünfziger. Gewiss: Respekt für Ambroß, Danzer, Hirsch ist vorhanden, genauso wie Freundschaften zu einigen Protagonisten des heutigen Wiener Pop-Wunders (Wanda, Der Nino aus Wien; auch Ja, Panik, die quasi als seine Backingband bei "Heite grob ma Tote aus" fungieren), und auch ein HC Artmann, ein Qualtinger, ein Kottan werden Spuren in Voodoo hinterlassen haben; aber genauso waren/sind die eben Genannten im Geiste Verbündete der Ur-Beatniks und der genannten internationalen Referenzen und keine Vertreter eines simpel gestrickten Austro-Provinzialismus, der seit je her den Epigonen vorbehalten ist. „Er bringt das was als Neo-Wienerlied seit ein paar Jahren so gehypt wird, auf ein neues Level. Der Mann macht das so gut, so nachvollziehbar, so unterhaltend, so cool, witzig und ja man muß es sagen: echt, dass einem die Kinnlade offen stehen bleibt. Ein Wahnsinn, der Typ. Wenn das nicht ganz groß wird, fress ich einen Besen!“ – Planet.tt Voodo Jürgens hat sich also einen Fahrschein für jene Bim (= Straßenbahn) gekauft, die in die erste Liga österreichischen Pops fährt, ohne dabei Fendrich, Gabalier oder "tiafen Schmäh"-Pop im Sinn zu haben...



HALEY HEYNDERICKX (US) 


Foto © Rola Music


Haley Heynderickx wuchs nicht gerade in einer musikalisch geprägten Familie auf. Aber eines Nachts hatte sie einen Traum, in der sie die weibliche Version von Jimi Hendrix war - wahrscheinlich analog zu ihrem flämischen Nachnamen - und seit diesem Zeitpunkt wollte sie es unbedingt selbst einmal mit der Musik probieren. Jedoch gab es in ihrer kleinen Heimatstadt Forest Grove im US-Bundesstaat Oregon nur einen Lehrer für Bluegrass. Was aber wunderbar für sie funktionierte, denn es weckte Heynderickxs Wertschätzung für Country-Musik und akustische Elemente zusammen mit ihrer ohnehin schon vorhandenen Faszination für den Blues. Nachdem sie begonnen hatte, das College in Portland, Oregon, zu besuchen, schrieb sie immer mehr eigene Songs, die sie mit Folk-Musik kombinierte. Durch den großen Einfluss der Folk-, Rock- und Pop-Musik der 60er und 70er Jahre sind Heynderickxs Stücke inspiriert von Künstlern wie Bob Dylan, Nick Drake aber auch lokalen Musikern aus Portland, mit denen sie zusammen aufgetreten ist. Ihre eher widersprüchlichen Gefühle von Angst und gleichzeitig Liebe für das 21. Jahrhundert spiegeln sich in ihrem eindringlichen Gesang und ihren lebhaften Texten wieder. Sie ist eine junge Songschreiberin und hat sich somit vor allem Themen über Identität, dem eigenen Ego und dem Unterbewusstsein verschrieben, was ihr selbst große Erleichterung verschafft, da die Stimmen in ihrem Kopf Musik als beste Ausdrucksform empfinden. Ihre Lieder sind voller Humor und Sehnsucht, gleichzeitig kann dieser Humor aber auch leicht in eine Mahnung an die eigene Sterblichkeit umschlagen. Es ist schwierig, Heynderickxs Musik in ein Genre zu pressen, sie selbst bezeichnet ihre Klänge als "Doom Folk". Sie können aber gerne selber darüber entscheiden, denn eines kann man bei Haley Henyderickx garantiert nicht: weghören!



WOLVES AROUND (AT)


Foto © Lara Zitter

Wolves Around ist das im Sommer 2015 gegründete Indie-Folk-Projekt des Grazer Musikers Lukas Wassermann. Nach mehrjähriger Schaffenspause steht er nun wieder auf der Bühne und singt von Veränderung, Schmerz, Niederlagen und Hoffnung. Mit der Kombination aus warmen Gitarrenklängen, einer Prise Melancholie und seiner unverwechselbaren Stimme weiß der 23-Jährige live zu überzeugen, ohne den Umweg über die große Geste zu machen. In der Vergangenheit konnte er mit verschiedenen Projekten Charterfolge und Top-Platzierungen bei Bandwettbewerben verbuchen und als Vorprogramm für namhafte Bands, wie etwa Hudson Taylor, auf sich aufmerksam machen. In Bälde ist ein komplettes Bandprogramm geplant, wo sich dieses Riesentalent aus Graz weiterentfalten wird! 


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